Eigentlich hatte ich ja vor, öfters nach den Laborarbeiten n kleines Resümee zu ziehen, Tatsache ist aber, dass ich wirklich so einiges zu tun hatte. Donnerstag war eigentlich Analyse angesagt – wie gesagt, eigentlich. Bin gnadenlos durchgerasselt, erst heute, beim 3. Versuch hats endlich geklappt und ich hab meine 3/5 Punkten gut geschrieben bekommen.

Thema war das berühmt-berüchtigte und unter Studenten heiß geliebte Ionenlotto: Man bekommt eine Substanz und soll herausfinden, welche Ionen drin sind. Je nach Aufgabenstellung wird das auf bestimmte Ionen eingeengt, sprich: Manche werden erst gar nicht zugegeben, andere wiederum können zwar drin sein, müssen aber nicht nachgewiesen werden. Letzteres ist v.a. hilfreich, um Fehlerquellen zu finden. Viele Reaktionen laufen bei unterschiedlichen Ionen ähnlich/gleich ab, weiß man, welche analog reagieren, kann man die durch verschiedene Verfahren vorher entfernen oder “stilllegen”.

Nunja, ich war heute also zum dritten Mal dran. Die erste Ansage war, naja – halbbefriedigend –  was ich gefunden hatte, war drin, aber ich hatte auch zuviel gefunden. Glücklicherweise hatten wir heute nen super Assistenten, der ist mit mir (und meinen beiden Leidensgenossen) jeweils sämtliche Ionen nochmal peu a peu durchgegangen, sodaß wir heute endlich alle bestanden haben. (By the way: da haben Sachen reagiert, da wusste nicht mal der Assistent, warum die Probe jetzt anschlägt, obwohl der zugehörige Stoffe nicht drin ist… Wer bisschen Ahnung hat: US+Stärke ergab Blau-/Schwarzfärbung, Iodid und Iodat waren nicht drin; US+NaOH+Na2HPO4 ergab weißen NS obwohl kein Lithium drin war; Mg war mit Chinalizarin negativ, mit Titangelb positiv; Br- war mit Phenolrot/Bromphenolblau negativ, +H2SO4 und Brenner aber kamen braune Dämpfe [Am Ende hatte ich dann NH4+, Ba+, Cl-, Br-])

Was Gutes hat diese Analysenodysee aber: Manche Nachweise kann ich jetzt aus dem Kopf und gänzlich ohne meine Notizen =) Zudem ist mir heute zum ersten Mal gelungen, auf Anhieb vollständig zu fällen. Wer Ahnung hat, lächelt jetzt wahrscheinlich müde, wer keine hat, fragt sich, was daran so toll ist (wenn ein Stoff nicht voll ausfällt, kann er nachfolgende Proben mit dem Zentrifugat verfälschen). Für mich als Möchtegern-Chemiker ist das ein riesen Erfolg!

Zudem werd ich auch langsam sicher, was die ganzen Techniken und Verfahren angeht, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.

 

 

So, und jetzt mal was ganz unchemisches:

In der Bahn hatte ich ne Begegnung der 3. Art. Ich saß gemütlich auf nem Vierer, schön Beine hoch und hab geschmökert, da  kam ne junge Frau rein, ungefähr mein Alter, und begann, mit mir zu reden, obs denn Spaß machen würde. Beim Blick auf den Stapel Bücher vor mir, fing sie gleich an, dass ich ja sehr viel lesen würde und was ich so studiere. Ich hab sie daraufhin freundlich gefragt, warum sie denn so neugierig wäre, sie zog sich auf ihren Platz zurück, lutsche ihren Lolli zu ende (und grinste mich dabei immer wieder an) und ging dann wieder. o.0

Die beiden Frauen mir gegenüber haben mich genauso entgeistert angeguckt, wie ich die. Die Frau war seltsam …